goEast Mongolei

Die Russinnen lassen mich nach eingehender Untersuchung raus und die Mongolinnen nach 1 Stunde rein. Eine Zöllnerin spricht auch Deutsch und freut sich ein paar Worte mit mir zu reden. Das Geräusch von gut einem dutzend Stempel, Visum für 30 Tage, lokale Autoversicherung abschliessen und dann geht die letzte Schranke hoch. Ich bin in der Mongolei. Und dann fängt es an; Sandstürme, Schlaglöcher auf der Teerstrasse auf gut 200km nach Ulan Bator, der helle Wahnsinn. Plötzlich macht es „peng“ und ich sehe nur noch wie meine Markise rechts in den Strassengraben fällt. Die Wellblechpisten und Schlaglöcher waren zu viel. Gut, dass nichts weiter passiert ist. Mal schauen wie ich das Problem löse. Ulan Bator liegt auf gut 1400m umgeben von einemIMG 8191 über 2000m hohem Gebirge und ist die kälteste Hauptstadt der Welt. Im Winter beträgt die Durchschnittstemperatur minus 28Grad. Die Fahrt nach UB ist dann auch ein bergauf bergab mit Schlaglöchern. Wie schon in Russland sieht man auf dem Weg in die Stadt die riesigen Plattenbauten und je näher man dem Zentrum kommt, die Reklame von KFC, McDonalds, adidas, Starbucks, usw.. Die Mongolei hat 3 Millionen Einwohner und die Hälfte wohnt in Ulan IMG 8169Bator. Beim sightseeing durch die Stadt fällt mir auf, dass hier viele Geschäfte, Hotels, Supermärkte, etc. in Englisch angeschrieben sind, das macht die Orientierung schon viel leichter als in Russland. Es gibt sogar eine Touristeninformation wo ich eine Strassenkarte mit den Sehenswürdigkeiten kaufe. Auch schauen einen die Mongolen an, lächeln und sprechen mich öfter an, ein krasser Gegensatz zu den verschlossenen Russen. 

Ich komme am 1. Juni abends an und beim Essen im Restaurant kann ich kein Bier bestellen. In der Mongolei gibt es ein Gesetz, das den Alkoholausschank am 1. eines jeden Monats verbietet. Gut das im Bulli ein gefüllter Kühlschrank ist. 

Irgendwie riecht es am Hinterrad so komisch, es stellt sich heraus, dass die Kupplung langsam den Geist aufgibt. Dank einem sehr gut deutsch sprechenden Angestellten im Hotel kommen 2 lokale sogenannte Automechaniker und nehmen sich der Sache. Sie organisieren am Wochenende eine deutsche gebrauchte komplette Kupplung und bauen diese ein. Bin mal gespannt wie ich nachher den Bulli wieder zurück bekomme. Die Werkstatt und das umliegende Autogewerbe hier in UB und der Ersatzteilmarkt wäre eine eigene Story wert, sprengt aber den Rahmen.

Ich muss ganz in Westen von der Mongolei, in Richtung Kasachstan, das sind gut 2'200km von UB aus. Was man so im Netz liest sind die Strassen mal gut mal schlecht, die Pisten die zu den Sehenswürdigkeiten wie Klöster, heisse Quellen, Seen, etc. führen sollen eine Herausforderung an Mensch und IMG 8243Maschine. Das Dumme ist nur, dass die interessanten Punkte alle nur über Pisten erreichbar sind. Von UB geht es nach Charochin wo in einer atemberaubenden Landschaft das älteste Kloster der Mongolei steht, Koster Erdene Zuu. Dort übernachte ich auch zum ersten mal in einem Ger Camp (Jurte). Die Leute sind überaus nett und freundlich, und Bulli ist immer der Kommunikationsmittelpunkt. In diesen Camps bekommt man auch gute Tipps was man noch anschauen sollte und wie die Strassenverhältnisse sind. Viele Reisende sind in geführten Gruppen unterwegs und freuen sich mit so einem Reisenden wie mir sich unterhalten zu können. Das unangenehme ist nur, in der Mongolei gibt es keine Hinweisschilder wo es zu dem Camp, zu der heissen Quelle geht. Da vorne rechts und immer geradeaus für ca. 25km wird mir gesagt. Das Navi zeigt dann auch einen sehr dünnen Strich, und dann beginnt das Abenteuer. Schotterpiste, bergauf und bergab, Sandpiste, Wellblechpisten zum verlieben, unzählige Abzweigungen in alle Richtungen, Bäche zum durchqueren und keine Menschenseele die man fragen kann. nach gut 2 Stunden gebe ich auf und fahre wieder 2 Stunden die gleiche Piste zurück zur Teerstrasse. Was eine Wohltat. Bis ich dann das nächste Camp finde heisst es wieder, Schotter, Wellblech, Bäche, auf und ab, aber es lohnt sich, ein nettes Camp direkt am See erwartet mich. Die IMG 8246Landschaftist hügelig und es ist einsam zu fahren. Es gab Tage da habe ich auf 200km ca. 4 Autos gesehen, davon waren 3 Nomaden die mit ihrem Kleinlastwagen ihr Ger umgezogen haben. Über Tsetserleg geht es nach Tariat, dort will ich wieder zu einem Ger Camp was am See liegt. Die Piste ist wie oben beschrieben, für 25km brauche ich gut 2 Stunden, aber es hat sich gelohnt. Im Camp bekomme ich einen Tipp ,dass 30km nördlich eine heisse Quelle ist und ich schaffe das mit dem Bulli. Es wird immer extremer, die Piste ist felsig, sandig, sogar Schnee durchfahre ich und es ist ein extremes auf und ab. Dann leuchtet auf einmal vorne die rote Kühlwasserlampe auf, ich steige aus und mache zum ersten mal seit ich unterwegs bin den Motorraum auf, es dampft und zischt wie in einer Sauna. Wie aus dem Nichts stehen 2 Nomaden mit ihrem Motorrad neben mir. Wir sehen, dass der Wasserbehälter einen Riss hat, wahrscheinlich durch die Erschütterrungen. Gut das ich einen Ersatz dabei habe, die 2 Mongolen lassen sich Werkzeug geben und innerhalb 30 Minuten ist das Teil ausgetauscht und ich kann weiterfahren, die beiden fahren noch eine Zeitlang vor mir um die richtigen Pisten zu erwischen. Super Service! Leider hält der Ersatz auch nicht so richtig und Bulli verliert immer Wasser. Ich werde Experte im 2 Komponenten kleben, den Kleber hat mir ein Mongole unterwegs gekauft und wollte kein Geld dafür. Es geht weiter durch eine mondähnliche Landschaft, eine Weite die kann man gar nicht beschreiben, ab und zu ein IMG 8284Nomaden Ger mit den Ziegen, Schafen und Kühen, das war’s. Tagelang geht es auf den Rüttelpiste Richtung Westen, mit viel Glück erwische ich mal einen Abschnitt Teerstrasse den Bulli und ich dann so richtig geniessen und es fahren lassen. Die Bilder weiter unten geben einen kleinen Eindruck wo ich gefahren bin und wie die Umgebung war. 

Jeden Tag finde ich im Auto Schrauben auf dem Boden liegen die sich gelockert haben, aber ich habe mittlerweile LocTite dabei. Eigentlich sollte es viel mehr regnen um die Jahreszeit, die Steppen sind braun und verbrannt und die Bäche haben kaum Wasser, was für mich gut ist. Ich hätte manche Tagestour nicht machen können, hätten die Bäche Hochwasser, insbesondere wenn man alleine ist und keinen Helfer dabei hat.

Es geht weiter über Uliastai nach Altai Gobi, immer wieder unterwegs die 2 Wasserbehälter kleben, Wasser nachfüllen und hoffen so weit als möglich zu kommen. Ich habe mittlerweile 40 Liter Wasser dabei, wenn das nicht reicht halte ich ein Auto an und bitte um Wasser. Die Landschaft wird immer bizzarer, hügelig,karg mit blauem Himmel. Ein wunderschönes Naturschauspiel. Das gefährlichste auf den Pisten und Strassen sind die Kühe, Ziegen, Schafe, IMG 8300Kamele und Pferde die einfach ohne zu schauen die Strasse überqueren. 

Auf dem Weg von Khovd nach Olgil hilft dann keine Kleberei mehr und ich entscheide mich in der Schweiz bei der Büel Garage ein Ersatzteil zu bestellen. Vielen Dank Herr Tanner für den Versand und die Unterstützung bei den anderen Problemen.

In Khovd habe ich meine erste Begegnung mit der Seidenstrasse, Khovd war ein Stopp auf der nördlichen Route.

Ich warte geschlagene 10 Tage in Khovd bis DHL das Paket ausliefert, die Stadt kennt mich, Leute kommen in meinen Bus und wollen helfen, andere Traveller trifft man hier so die zwei Velofahrer aus Deutschland, Simon und Dominik. Sie machen hier ein paar Tage Pause. Sie sind seit gut 2 ¼ Jahren mit dem Velo unterwegs und jetzt auf dem Heimweg. Ihr Blog:  https://dominik-and-simon-travelling.blogspot.com/

Es gibt viel zu erzählen und Erlebtes auszutauschen, gut das der Supermarkt um die Ecke gut bestückt ist. Zusammen mit Bang, einem Velofahrer aus Südkorea machen wir eine Tagestour in Richtung Altai Gebirge und geniessen die Abendessen bei Chicken und kaltem Tiger Bier.

4 Wochen Mongolei, 2’200km, viel Sonne, tolle hilfsbereite Menschen, eine Landschaft die ihres Gleichen sucht, unbeschreiblich die Natur, gross die Stille,IMG 8341 unendliche Weiten. Am liebsten würde ich all die tolle Panoramabilder mitnehmen. Einfach schön.

Jetzt geht es über einen Abstecher nach Russland nach Kasachstan, mal schauen was mich da erwartet. Die Strassen sollen geteert sein!!!

2. Juli 2018, Semej in Kasachstan

Hier die gefahrene Route:

Route Mongolei

 

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