Moskau bis zur Mongolei

Nach 10 Tagen Jubel und Trubel in St. Petersburg und Moskau geniesse ich die Ruhe in Nischni Nowgorod. Ich habe jetzt noch gut 5.200km bis nach Irkusk. Nischni liegt gut 400km östlich von Moskau direkt an der Wolga. Hier kann man ungestört die schöne Promenade lang schlendern und ein Eis IMG 7901geniessen. Auch hier gibt es einen Kreml (Fort), hoch oben über der Stadt gelegen. Unzählige Kathedralen, Denkmäler und Museen laden auch hier zum Besuch ein, nur diesmal ohne mich. Über Kazan und Ufa geht es nach Chelayabinsk. Dazwischen überquere ich den südlichen Ural und die Grenze zwischen dem europäischen und asiatischen Russland. Der Ural ist nur bedingt mit einem europäischen Gebirgszug zu vergleichen. Die Passstrasse ist ungefähr 600m über dem Meeresspiegel, aber es gibt ein paar Kurven und es geht bergauf. Welche Abwechslung nach immer nur flach und geradeaus. Die Strassenverhältnisse sind teilweise echt katastrophal. Die Fahrspuren sind teilweise so tief wie eine Badewanne mit halbvoll Wasser. Gut das es trocken ist. Schwierig wird es nur beim überholen aus der tiefen Fahrrille rauszukommen. Es wird extrem viel an den Strassen gebaut, das bedeutet manchmal fährt man Kilometer auf neuestem Asphalt, und dann beginnt plötzlich eine nicht endende Schlaglochetappe. Besonders schlimm ist es in den Städten, dort sind die Tramschienen teilweise bis zu 15cm über dem Strassenbelag sind. Das bedeutet abrupt bremsen und im 1. Gang drüber kriechen. Hinter dem Ural bin ich auch schon in Sibirien, das macht sich extrem an der Temperatur bemerkbar. In Omsk ist es 0 Grad!. Beim tanken friere ich wie ein Schneider, der junge Angestellte, dick eingemummt, grinste nur und sagte: Sibir, Sibir cold. In Sibirien fängt die Taiga an. Ich sehe nur noch Birken, Birken und nochmals Birken. Anscheinend macht die Birke als Laubbaum ein Fünftel der westsibirischen Taiga aus. Es ist kein durchgehender Wald, sondern es sind eine Art Bauminseln, IMG 7930kilometergross, unterbrochen von Ackerland in gigantischer Grösse und Sümpfen. Seit einer Woche sehe ich nur Birken. Im Reiseführer (Trescher Verlag) lese ich, dass für den asiatischen Markt täglich 25 Fussballfelder Wald für die Einwegstäbchen gerodet werden. Ab uns zu durchfahre ich ein Strassendorf, das sind kleine Dörfer mit halbverfallenen Häusern. Daneben gibt es wieder Dutzende von kleinen Holzhäusern die farbenfroh die Türen, Fenster und Giebel lackiert haben. Und das ganze: immer geradeaus, mit sehr viel LKW Verkehr. Das eigene Fahrzeug sollte einfach in der Lage sein, die riesigen, mehr als 40 Tonnen schweren und 110 km/h fahrenden Sattelschlepper überholen zu können. Die Kapitäne der Landstrasse überholen dich wo immer es evt. machbar ist, vorher streicheln sie über Kilometer aber deine Stossstange. Überholst Du sie nicht, überholen sie dich und dann kann es bei Gegenverkehr SEHR unangenehm werden. Denn die Kapitäne werden, ohne den Rückspiegel zu benutzen, rechts rüber ziehen. Dazu kommt der Seitenwind und die Aerodynamik von Bulli. Ich werde auch jeden Tag mindestens 1x von der Polizei angehalten. Das erste mal wollte er „Dokumenta“ sehen und liess mich dann fahren. Der zweite meinte irgendwie, mein Nummernschild sei zu klein, dann liess es mich fahren, der Dritte Polizist sah meine IMG 7921Route auf der Scheibe und wünschte mir grinsend „Good luck“.  Alle Kontrollen verliefen problemlos, also auch keine Mautgebühr. Westsibirien ist geprägt von Schwerindustrie und der Transsibirischen Eisenbahn. Tourismus ist so gut wie nicht existent hier. Fast jeden Tag wird die Uhr 1 Stunde vorgestellt, hier in Kemerovo sind wir 5 Stunden vor MEZ. Es bleibt kalt, sehr kalt, die Menschen sind winterlich angezogen, auch ich krame meine dicken Sachen raus, inkl. Kappe, Handschuhe und Schal. Das tanken hier ist auch eigenartig. Man fährt zur Tanksäule, tut den Zapfhahn in den Tankstutzen, geht dann zur Kasse um dort zu sagen, für welchen Betrag man tanken will. Evt. Restgeld bekommt man zurück. Das ganze kostet ca. 0.60Euro pro Liter. 

Hinter Krasnojarsk, hier wurde 1984 Helene Fischer geboren, ändert sich endlich die Landschaft. Es wird zusehends hügeliger und immer mehr Nadelgehölz mischt sich unter die endlosen Birkenwälder. Die 1.600km bis Irkutsk geht es immer wieder der Trasse von der Transsibirischen Eisenbahn entlang. Links und rechts sieht man immer wieder die typischen sibirischen Holzhäuser, mit ihren farbigen Anstrichen sind sie ein Farbtupfer in der dochIMG 7972 sehr eintönigen Umgebung. Nach 9.600km erreiche ich Irkutsk, und das bei Sonnenschein und 25 Grad, das heisst erst mal ein Cafe suchen und ganz entspannt einen Espresso trinken. Irkutsk ist eine sehr sympathische Stadt. Grosszügige Grünflächen am Fluss Angara laden zum flanieren ein. Ein grüner Streifen auf dem Trottoir führt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt. Sehr Touri freundlich. Man sieht jetzt auch mehr Einwohner mit asiatischem Aussehen. Mit Schaudern denke ich daran, dass es hier im Winter bis zu minus 25Grad werden kann. Im Netz finde ich eine VW Garage und mache einen Termin für einen Ölwechsel, IMG 8019Checkup und Wäsche für Bulli aus. Das ganze mit Händen und Füssen und Google Übersetzer. Bulli wird hochgebockt und die komplette Technikmannschaft grinst über alle Backen, so einen VW haben sie hier noch nicht gesehen. Aber sie machen einen tollen Job und 3 Stunden später gibt es einen netten Abschied und eine sehr niedrige Rechnung. Ich habe das Gefühl, hier im asiatischen Teil Russlands sind die Menschen ein wenig offener wie im westlichen Teil. 

Irkutsk ist das Tor zum Baikalsee, von hier aus starten die Touren entlang der Küste und auf die Insel Olchon. Auch ich fahre auf die Schamanen Insel Olchon. siehe extra Bericht Baikalsee

Nach dem herrlichen Aufenthalt auf der Insel Olchon geht es zurück nach Irkutsk und dann nach Ulan Ude. In Ulan Ude (ist noch russisch)  ist man defintiv in Asien, nicht nur wegen dem Aussehen, sondern auch weil die Menschen wesentlich offener sind. Sie schauen dich an, grüssen dich, die Kinder lachen dich an und sagen Hallo. Irgendwie tut das wirklich gut. Dann geht es in Richtung Mongolei. Bulli und ich erfreuen uns noch an dem relativ guten Strassenzustand und fahren in Richtung Grenze. Bin gespannt wie der Grenzübergang sein wird. In diversen Reiseblogs liest man sehr unterschiedliches. Aber es geht dort relativ schnell, erst durch ein Infektionsbad fahren und dann zu den Formalitäten. 

Das war's von Russland:  4 Wochen, 6'000km, nette hilfsbereite Leute getroffen, unendliche Birkenwälder, schwierige Kommunikation ausserhalb der Zentren, kein Wodka, unzählige Schlaglöcher, endlose Geraden haben mir einen kleinen Eindruck von einem sehr grossen Land mit unterschiedlichen Subkulturen gegeben. Die Insel Olchon im Baikalsee war sicher  eine Highlight. Ich habe es genossen auch wenn ich nicht den direkten Kontakt zu den Bewohnern machen konnte, auch als "Germani" Reisender habe ich keinerlei Probleme gehabt. Ein paar Worte auf Russisch, wie Guten Tag, Danke, auf Wiedersehen haben oft ein Lächeln zur Folge gehabt. Досвида́ния! Росси́я  Bye Bye Russland.

Ulan Bator

3. Juni 2018

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