goEast Türkei

                                                      Urlaub vom Reisen

So ist mein Gefühl als ich über die Grenze von Georgien in die Türkei fahre. Sorry, ich weiss, dass das Thema eventuell ein wenig überstrapaziert ist, aber ich muss es loswerden. Die Strassen in der Türkei sind ein Traum, glatt wie ein Topfboden, breit wie eine Autobahn, Pannenstreifen, Fahrbahnmarkierungen, 2-3 spurig, Wegweiser sogar mit Distanzangaben, Sehenswürdigkeitsschilder, keine Schlaglöcher und so wenig Verkehr. Bulli und ich kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Und das wichtigste, die Autofahrer hier fahren so gesittet, kein drängeln, kein auf den Millimeter genau einscheren, keine selbstmörderischen Überholmanöver, kein HUPEN, der Blinker wird benutzt, man nimmt Rücksicht, alles sehr entspannt, Urlaub. Ich geniesse zum ersten mal in vollen Zügen die Musikanlage im Auto und fahre gemeinsam mit Pink Floyd, Eagles, The Rolling Stones, Uriah Heep, Joe Cocker, etc. in den Urlaub.

Die Einreise in die Türkei ist problemlos, Stempel in den Pass und ein Welcome, das war’s. Die erste Etappe schlängelt sich der Schwarzmeerküste entlang bis Trabzon. Die Küste ist bekannt durch ihren Haselnussanbau, überall an der Strecke sind Verkaufsstände wo man Kiloweise die Nüsse kaufen kann, das ist natürlich immer mit Tee trinken verbunden ist. Hinter Trabzon biege ich ab in Richtung Zentralanatolien nach Kappadokien. Auf den Nebenstrassen durch eine wunderschöne hügelige Landschaft werde ich bei den Ortsdurchfahrten von den in den Cafes sitzenden Männer immer wieder per Handbewegung, rechte Hand verrührt den Zucker im Teeglas, zum Tee trinken eingeladen. Da ich ja in Urlaub bin halte ich ein paar mal an. Das ist immer ein herzlicher Moment, auch wenn ohne Türkisch die Gespräche sehr kurz. Die Herren müssen ja wieder ihren Geschäften beim Tee trinken im Café nachgehen. 

Das Wetter meint es seit gut 5 Monaten sehr gut mit mir, nur Sonne und sommerliche Temperaturen, und so entscheide ich mich die Mittelmeerküste bis nach Izmir zu fahren. Dort will ich mich unterwegs auch mal in einen Liegestuhl legen und bei einem Sundowner ein kühles Bier geniessen. Aber zuerst geht es nach Göreme in Kappadokien. Aus Schutz vor Übergriffen der Araber, Perser und Mongolen siedelten sich dort im 4. Jahrhundert die ersten Christen an und schufen die ersten Kirchen versteckt im Tuffstein. Später wurden ganze unterirdische Städte als Versteck angelegt. Das ganze ist eine bizarre Felsenlandschaft mit Höhlenwohnungen und Felskirchen und den kegelförmigen Erhebungen. 

Von Göreme geht es dann endgültig in den Urlaub in Richtung Mittelmeer. Ich wundere mich über die bis zu 3-spurig ausgebauten Strassen auf denen kaum ein Auto fährt. Mir erscheint das alles ein wenig überdimensioniert. Unterwegs gibt es immer wieder Polizei/Militär Kontrollen, alle wünschen mir eine gute Fahrt und wollen noch nicht mal die Papier sehen. Die Landschaft ist einmalig, von sattem Grün, karges Bergland, üppige Landwirtschaft ist alles vorhanden. Wir gleiten zum Mittelmeer, und obwohl ich es ahnte, trifft mich dann in Side der Kulturschock. Liege an Liege mit übergewichtigen Touristen, laute Restaurants, Souvenirshops und billige Kleiderläden soweit das Auge reicht. Gut das in meinem Gästehaus der Besitzer mir für den Rest der Tour bis Izmir gute Tipps von kleinen Ortschaften gibt. Was wäre die Türkei ohne Kultur. So besuche ich an der Südküste Aspendos das 15'000 Tausend fassende Theater, in Kaymakli die Untergrund Stadt und in Daylan die Felsengräber. Allein die Fahrt die Küste entlang ist ein traumhaftes Erlebnis, kurvenreich windet sich die gut ausgebaute Strasse die Küste entlang, linkerhand das Mittelmeer mit dem türkisfarbenen Wasser. Ich bin im Granatapfel Land angekommen. Überall stehen die Plantagen mit den reifen Äpfeln, 3 Stück kosten ca. 1.00.- Franken. Das abwechslungsreiche Essen ist dann der i-Punkt. Nicht nur Döner und Kebab, das im Lehm Ofen gebackene Brot, die kalten Vorspeisen, gefüllte Weinblätter, Humus und das gegrillte Fleisch schmecken vorzüglich und tun Körper und Seele gut. Da ich an der Küste unterwegs bin gibt es auch immer wieder frisch gegrillten Fisch. Leider sind die Strände zum Teil sehr ungepflegt, leere Dosen und viel Plastik, auch die Parkplätze sind extrem vermüllt.  Eigenartigerweise kann man auch nicht mehr mit WhatsApp telefonieren und die Webseite von Wikipedia ist auch nicht erreichbar. Die Kombination Urlaub mit Kultur geht weiter in Richtung Ägäis. Es wird immer ruhiger in den Hotels und Restaurants, die lokalen Ferien sind vorbei und Ende Oktober schliessen die meisten von ihnen. In Didim schaue ich mir noch Apollon Tempel an. Er war die zweitwichtigste Orakelstätte nach Delphi. Die antiken Städte Milet und Priene sind auch einen Besuch wert. Sie liegen inmitten von riesigen Baumwollfeldern, die bis zu 4 mal im Jahr geerntet werden. Und last but not least Ephesos, eine der 7 Weltwunder, die nahezu vollständig erhaltene Stadt aus der Antike. Mit dem Artemis Tempel, dem römischen Theater und die Celsus Bibliothek ein echter Hingucker. Der obligatorische Besuch bei einer staatlichen Teppich Knüpferei war auch sehenswert, leider hatte ich keinen Zugriff auf mein Konto, und so ging der perfekt deutschsprechende Teppichverkäufer leer aus.

So langsam wird mir bewusst, dass mein letzter Reisemonat angebrochen ist. Ich muss nicht mehr über Visa, ihre Beantragung, ihre Dauer, Grenzübergänge, etc. nachdenken, ich bin fast in der EU, noch ein Grenzübergang und ich bin in  Griechenland. Jetzt muss ich die letzte Etappe planen und nach 6.5 Monaten als Nomade unterwegs wieder an die Komfortzone die mich zuhause erwartet vorbereiten. Aber wie anfangs erwähnt, ich bin ja im Urlaubsmodus und da geht alles ein wenig entspannter.

Liebe Grüsse aus Chios (Griechenland)

Güner

13. Oktober 2018

gefahrene Route:

Trkei

 

 

 

 

 

 

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