Usbekistan

Die Fahrt von Dushanbe zur Usbekischen Grenze ist eine ruhige Fahrt auf relativ guten Strassen. Der Grenzübergang ist der einfachste von allen bisher, auf der usbekischen Seite muss ich kein einziges Formular ausfüllen. Der Zöllner tippt alles in den PC ein gibt mir das ausgedruckte und von ihm unterschriebene Formular und schon kann ich in mein viertes STAN-Land einreisen. Super Service. Viel weiss ich nicht von Usbekistan, ausser den Orten der alten Seidenstrasse, den Aralsee der immer kleiner wird und das das Land von seinen Erdgas- und Erdölvorkommen im Kaspischen Meer gutes Geld verdient. Fast alle Autos und Busse fahren mit Propangas. Benzin mit mindestens 91 Oktan zu finden ist nicht einfach.

Auf dem Weg nach Samarkand merke ich schon wie es immer heisser wird, um mich herum reine Steppenlandschaft ohne Schatten, alles flach. In IMG 8810 2Samarkand verfahre ich mich hoffnungslos in der Altstadt in den sehr schmalen Gässchen, lande dann aber noch in einem Guesthouse direkt am Registan.(= Sandplatz, Hauptplatz in mittelalterlichen zentralasiatischen Städten) Der Registan in Samarkand ist UNESCO Weltkulturerbe. Im Inneren gibt es zahllose Geschäfte wo man Seidenteppiche, und allerlei Kunst und Kitsch kaufen kann. Im Zentrum fühlt man sich dann wirklich wie in 1001 Nacht. Die tolle moslemische mittelalterlicher Architektur mit ihren blauen Kuppeln, glasierten Kachel, die Minarette aus Lehmziegeln, die Moscheen und die Medresen (Schule der islamischen Wissenschaft), die Mausoleen mit demIMG 8826 Kontrast in die Sonne und in den blauen Himmel, sind einfach nur schön. Man fühlt sich unweigerlich ein paar Jahrhunderte zurückversetzt. Samarkand war mit Buchara und Khiva ein zentraler Handelsort auf der grossen Seidenstrasse zwischen Orient und Okzident. Nebst dem Registan ist der Bazar auch einen Besuch wert, dort gibt es alles zukaufen, was ein usbekischer Haushalt so braucht. Allein in der Abteilung Süssigkeiten kann man sich mit wenig Sums um viele Kalorien bereichern. Auffallend ist überall die Gelassenheit der Usbeken. Keine Hektik, keine lauten Stimmen, sehr entspannt läuft das Alltagsleben ab. Jeder (Mann) grüsst jeden (Mann) mit Salemaleikum mit der rechten Hand aufs Herz und einem Händedruck. Ein einzigartiges Highlight ist das usbekische Brot, es wird in IMG 8842Fladenform an die innere Ofenwand sozusagen geklebt, und ein paar Minuten später kann man es für ein paar Cent ofenfrisch kaufen. Einfach köstlich. Hatte ich vorher schon von der Gastfreundschaft der Usbeken gehört, bin ich doch erstaunt wie diese gelebt wird. In den lokalen Restaurants, Cafes genannt, wird man immer wieder von einem besetzten Tisch aufgefordert sich dazu zu setzen. Where are you from? ist die erste Frage, mit viel Glück kann man noch antworten woher man kommt, dann endet meistens die Kommunikation, aber nicht die Freude und der Spass aller Beteiligten. Meistens ist es Plov was gegessen wird. Das ist eine Art Eintopf mit Reis, Zwiebeln und Fleisch, interessanterweise wird Plov nur von Männern gekocht. Gab es Plov schon in den Ländern zuvor, tue ich mich langsam schwer damit.Ploch 

Von Samarkand geht es zur zweiten UNESCO Weltkulturerbe Stadt: Buchara. Dort gibt es 300 Tage im Jahr Sonne. Und es ist heiss, sehr heiss. Zwischen 11:00 und 17:00 sollte man sich einen Schattenplatz unter einem Maulbeerbaum suchen grünen Tee trinken und dem Treiben zuschauen. Habe nach einer Woche festgestellt, dass dieser Rhythmus sehr sympathisch ist. Buchara ist auch sehr angenehm zu erkunden, die Moscheen, die Medresen, die Museen, der Bazar sind alle in der Nähe vom Guesthouse am Labi Hauz Platz. Dort bekommt man abends auch das usbekische Familienleben hautnah mit. Es wird pausenlos geheiratet, gegessen, Wodka getrunken, die Kinder fahren mit ferngesteuerten Autos, es gibt guten Espresso und zahllose Souvenirshops undIMG 8872 feine Pizza. Am schönsten sind die Stunden bei den Teppichhändlern, einmal Interesse gezeigt, wird gleich der Tee serviert und ihre Produkte angeboten. Seine Teppiche sind die einzigen aus 100% Seide, in der Familie hergestellt, aus Buchara, reine Naturfarben, waschecht und das Muster ist einzigartig, 320 Knoten pro cm2, unglaublich günstig, starting price 2’000US$, aber very last price special for you 1’500$ (für 2.5m2), but cash only, usw.. Es gibt aber wirklich schöne Stücke... . Immerhin ist es kühl in den Katakomben. Fantastisch in Usbekistan sind die Guesthouses. Diese sind meistens in Privatbesitz und haben mehrere Zimmer zu vermieten. Fast alle haben den typischen Innenhof wo sich das Alltagsleben der Familie abspielt. Und die Gastgeber sind so freundlich und aufmerksam, es fällt mir jedes Mal schwer abzureisen. Natürlich gibt es auch immer wieder Plov zum Mittag und Abend. Man wird gebeten am Tisch Platz zu nehmen und mit zu essen. Einfach so. Das schöne am reisen neben den Sehenswürdigkeiten sind auch die Travellers die man trifft. So geschehen in Buchara mit den Backpackers Thali und Edi aus Bayern und Sascha und Max aus Marburg. Alle 4 sind mehrere Monate unterwegs und da ergeben sich soviele Gemeinsamkeiten die Tage und abendfüllend sind. Das gemeinsame kochen gehört auch dazu. Alles findet draussen im Innenhof statt mit allen Generationen der Familie zusammen. Das sind sehr schöne Momente die dann auch mal ein Ende haben, wenn jeder in seine Richtung weiter zieht. Aber die schöne Erinnerung und der Kontakt bleibt.

Leider erfahre ich per Telefon mit der turkmenischen Botschaft in Bishkek, dass noch keine Antwort aus Ashgabat gekommen ist, und die Wahrscheinlichkeit, dass eine positive noch kommt eher klein ist. Ich entscheide mich nun quer durch Usbekistan und Kasachstan zu fahren um in Aqtau Plan Bdie Fähre über das Kaspische Meer nach Baku in Aserbaidschan zunehmen. Dort bin ich im Kaukasus und werde Georgien bereisen. Je nach Lust und Zeit vielleicht noch Armenien. Ob ich in den Iran fahre entscheide ich wenn ich dort bin. Jetzt bin ich schon 4.5 Monate unterwegs und habe schon so viel schönes gesehen und erlebt, das muss auch erst mal verdaut werden. Wenn ich den Iran skippe mache ich eine gemütliche Tour durch Anatolien und Kappadokien, entlang der Südküste bis Izmir. Aber das hat ja noch Zeit.

Jetzt geht es erst mal nach Khiva , der dritten Oase an der legendären alten Seidenstrasse auch mit UNESCO Weltkulturerbe Status. 

Die Fahrt von Buchara nach Khiva ist dann eine einzigartige Gerade durch eine Steppen- und Sandwüste. Gut 400km immer geradeaus bei 40 Grad aber immerhin guter Betonpiste. Mit 85km/h lassen wir uns treiben und bestaunen ein paar Windhosen die aus den Sandwüsten kommen. In Khiva finde ich IMG 8924direkt am Westtor zur Altstadt ein Guesthouse und schaue von dort direkt auf die Festung. Eine Routine jeden Fahrtag ist es, einmal ums Auto herumzulaufen ob alles noch an seinem Platz ist und unten schauen ob irgendetwas ausläuft. Prompt entdecke ich rechts hinten einen Wasserfleck am Boden. Mist. Am nächsten Tag bringt mich der Guesthouse Besitzer zu einer Werkstatt. Der Spezialist entdeckt eine defekte Verbindung der Kühlwasserleitung vorne vom Kühler nach hinten in den Motor. Der gute Mann verspricht mir das die img 8887anächsten Stunden zu beheben. Gut das ich geschaut habe, die nächsten 1200km sind geradeaus durch die Wüste bis nach Aqtau. Unterwegs treffe ich noch Marteen aus den Niederlanden. Er ist mit dem Motorrad unterwegs und hat das Glück ein Visum für Turkmenistan zu bekommen. Wir reisen 2 Tage zusammen und haben uns viel zu erzählen.

Khiva ist eine Stadt in  einer Oase. Die Altstadt von Khiva, UNESCO Weltkulturerbe, ist umgeben von einer Festung in der unzählige Minarette, Moscheen, Museen, Medresen, Karawansereien und Mausoleen sind. Alles schön mit Souvenirständen und Cafés umgeben. Man kommt sich vor wie in einem Freilichtmuseum. Der grösste Teil der Besucher sind die Einheimischen der Stadt und Usbeken. Was nicht fehlen darf sind die unzähligen Brautpaare die in der Festung heiraten, und das bei der Hitze. Nach ein paar Stunden hat man alles gesehen. Die pralle Sonne macht es schwer Fotos zu IMG 8898machen, am besten ist es von 18h bis Sonnenuntergang. Früher war Khiva eine wichtige Handelsstation auf der Handelsroute von Ost nach und umgekehrt. Für mich heisst es Abschied nehmen von den alten Städten auf der Seidenstrasse. Ich kam mir in Samarkand, Buchara und Khiva vor wie in 1001 Nacht.

Ich lasse den Aral See aus, mich zieht es nach Aqtau am kaspischen Meer von wo aus die Fähre nach Baku in Aserbaidschan geht. Das bedeutet gute 1’300km durch die Wüste. Da der Strassenzustand teilweise echt schlimm ist benötige ich dafür 3 Tage. Der Grenzübergang Usbekistan-Kasachstan ist problemlos. Ich werde auf beiden Seiten als Tourist erkannt und an allen Wartenden vorbei geschleust. Das ist mir ein wenig unangenehm aber es beschwert sich keiner. Es geht immer gerade aus, links und rechts Sand, ein wenig Gestrüpp und Kamele. Die letzten 450km bis Aqtau sind dann die reine Erholung, eine Traumpiste vom feinsten und flach wie eine Flunder. Bulli und ich lassen es mit 95km/h bei gut 35 Grad rollen und geniessen eine Strasse auf der die ganze Strecke uns vielleicht 30 Fahrzeuge begegneten. In Aqtau finde ich ein Hotel direkt am Meer und fühle mich zum ersten mal seit 4.5 Monaten in Urlaub, Strand, warmes Wasser, gutes Essen und endlich wieder mal seit 8 Wochen schnelles und stabiles Internet. Es gibt auch ATM IMG 8952Maschinen zum Geld abheben. Jetzt erkundige ich mich wann die Fähren fahren. Diese haben keinen Fahrplan, sie fahren nur wenn sie genug Ladung haben und es keine Wellen im Meer hat. Sie versprechen mir mich anzurufen wenn eine Fähre fährt. Ich habe keine Eile und geniesse die gute Infrastruktur. Immer wieder werde ich von Menschen angesprochen, die interessiert an meiner „Marschrout“ sind. Am meisten wundern sie darüber, dass ich alleine unterwegs bin, „very brave man“. Marschrout ist russisch und steht für Marschroute. So wie „Straf“ bei der Polizei für Strafe steht. Hatte ich Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan kein Rendezvous mit der Polizei dauert es hier in Kasachstan nicht lange bis ich wieder auf dem Beifahrersitz im Polizeiwagen Platz nehmen darf. Sie zeigen mir im Monitor eine Geschwindigkeitsüberschreitung und wollen die „Dokumenta“ sehen und ein Vermögen, 100 Euro. Ich stelle mich stur und sage immer wieder Tourist, IMG 8931Tourist, no Russki, genervt lassen sie mich dann ohne „Straf“ ziehen. Bulli wird wieder gewaschen, bekommt neues Öl und Ölfilter, ein paar kaputte Birnen werden ausgetauscht, ein paar Schrauben finde ich jeden Tag im Inneren und suche dann mitunter verzweifelt wo die herkommen, und schon sind wir parat für die Schifffahrt und die letzte Etappe nach Hause. Immerhin sind wir schon gute 21’500km unterwegs und haben soviel erlebt und soviel tolle Menschen getroffen.

Ich verlasse Zentralasien mit einem weinenden und lachenden Auge. Jedes Land hat sich mir gegenüber von seiner besten Seite gezeigt. Die Menschen sind einzigartig freundlich, hilfsbereit, und trotz Sprachbarrieren kommunikativ aber nicht aufdringlich. Die einzigartige Natur und Landschaft ist in ihrer google bis AqtauGrösse und Vielfalt einzigartig. Auf der anderen Seite bin ich wieder froh in ca. 2.5 Monaten wieder zu Hause zu sein und meine Familie inkl. Enkelkinder und Freunde wieder zu sehen.

Jetzt geht es erst mal nach Aserbaidschan, Armenien, Georgien und Türkei, dort gibt es auch noch viel zu erleben und zu entdecken.-

Liebe Grüsse aus Khiva

Günter

30. August 2018

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