Dänemark

Selten habe ich einen so einsamen Grenzübertritt wie in Rudbol erlebt. Kein Landeskennzeichen, keine Autos, keine Menschen, nur ein verlassenes Zollhäuschen aus dem vorletzten Jahrhundert. Links und rechts Landwirtschaft und natürlich Schafe. Nach den letzten kühlen Tagen wird es nun merklich wärmer und ich kann wieder kurzärmelig unterwegs sein. Ich radle die gut ausgeschilderte Route bis nach Esbjerg, wo abends die Fussgängerzone menschenleer ist. Irgendwie komme ich mir so richtig alleine vor, dabei dachte ich in der siebtgrössten Stadt Dänemarks wäre etwas los. Ich muss Geld wechseln, und merke beim Essen und den Übernachtungen, dass mein tägliches Budget von 100 Euro sehr strapaziert wird. Die Preise sind gute 30% höher als in Deutschland, man muss aber fairer weise erwähnen, dass der Mehrwertsteuersatz hier bei 25% liegt.

Hinter Esbjerg sieht man direkt am Strand das 9m hohe Wahrzeichen der Stadt „Menscham Meer“ von Svend Wiig Hansen. Die Nordseeküstentour führt so nah als möglich die Küste entlang und geht um die gesamte Halbinsel Jütland bis zur nördlichsten Stadt Skagen und dann südlich nach Grenaa wo es mit der Fähre nach Schweden in Varberg geht. Die Route ist sehr abwechslungsreich, und führt durch Kiefern und Fichtenwälder sowie weite Heideflächen und wunderschöne Dünenlandschaften und an Steilküsten vorbei. Die Kieferwälder werden auch „Klitplantagen“ genannt. Sie wurden vor 150 Jahren zur Befestigung der Küste gepflanzt. Die Landschaft ist so ähnlich wie in Holland, nur das Holland keine Fjorde hat. Hier überquere ich die Fjorde entweder mit Fähren oder über lange Deiche. Die Verständigung ist auch kein Problem, man spricht Deutsch. Interessant ist die Dichte der reetgedeckten verstreut liegenden Ferienhäuser an der Westküste, sie ziehen sich siedlungsartig die ganze Küste entlang. Ich habe wettermässig Glück, es ist Sommer hier oben, selbst die Dänen sind erstaunt darüber um die Jahreszeit es so schön warm zu haben. Die Wärme bleibt die ganze Tour über konstant, über den Wind schreibe ich jetzt nichts mehr!

Tagelang fahre ich die sehr schön angelegten Fahrradwege alleine entlang. Die kleinen Ortschaften unterwegs wirken fast alle wie ausgestorben, oft bin ich der einzige im Restaurant oder auch im Hotel. Viele Ortschaften kommen mir regelrecht verlassen vor, zerfallene Häuser, keine Läden, keine Menschen, einfach leer. Gut ausgebaut ist das Campingplatznetz. Ich miete mir öfters eine Hütte (hytter) und geniesse das Campingplatz Leben. Die Infrastruktur ist optimal, es ist alles vorhanden was man so braucht, Kochnische, TV (wegen der EM) und die Plätze liegen auch meist sehr günstig an der Nordsee. In das Wasser habe ich mich trotz Sonne nur bis zu den Waden getraut, es hat nur so ca. 14 Grad. Eine tolle Alternative zu Hotels und Campingplatz sind die dänischen Jugendherbergen (danshostel). Um diese Zeit sind sie auch kaum ausgebucht und bieten einen tollen Service (Wäsche waschen) und Kommunikationspunkt. Immer wieder muss ich, wenn ich vor dem Hostel stehe, eine Telefonnummer anrufen, damit jemand aus der Gegend kommt und mir ein Zimmer gibt. Wir beiden freuen uns dann richtig, ich, dass ich ein Bett bekomme, und die Jugi, dass sie wieder einen Gast hat. Die Hostels sind übrigens schon von weitem sehr gut erkennbar, sie haben alle einen Fahnenmast mit dem typischen Jugendherbergswimpel, so findet man sie relativ leicht.

An der dänischen Küste wurde im II Weltkrieg, 1940 nach der Besetzung Dänemarks, ca. 7000 Bunker gebaut. Die meisten 18 Deutsche BunkerBunkeranlagen existieren noch und dienen als Museen oder vergammeln vor sich hin. Man findet sie überall, an den Stränden. in den Fischerdörfern und in den Dünen. Viele können ohne Probleme begangen werden. In Hanstholm wurde 1979 eine ehemalige Festungsanlage mit mehr als 400 Bunkern zu einem Museum umgebaut.

  

Es geht weiter die Küste hoch, Hvide Sand, Hanstholm bis nach Blokhus. In Blokhus (fast menschenleer) gibt es für Autofahrer und Velofahrer eine Besonderheit. Man kann die 16km nach

Lokken direkt am Strand entlang fahren. Es ist eine offizielle Strasse, halt nur ohne Markierungen etc.. Mit dem Velo muss man manchmal stossen, aber es ist wirklich einmalig beeindruckend, besonders wenn so wenig Verkehr ist wie als ich unterwegs war. Weiter geht es nach Skagen, die nördlichste Stadt Dänemarks. Hier ist ein wenig mehr Leben, wahrscheinlich wegen den Fährverbindungen nach Norwegen und Schweden und der vielen Galerien. In Skagen treffen sich die Nordsee und Ostsee, oder das Skagerrak und Kattegat.  Nach gut 240km in Richtung Süden erreiche ich Grenaa von wo aus es mit der Fähre nach 57 da hineinSchweden Varberg geht.

Es waren schöne 700km die ich in Dänemark geradelt bin. Zum grössten Teil auf sehr schönen Fahrradwegen weitab vom Verkehr, aber auch extreme Schotterstrecken die es in sich hatten und viel Schweiss kosteten. Dänemark hat mich überrascht, knapp 3 Wochen bei tollem Wetter, ohne einen Tropfen Regen, die langen Tage, die abwechslungsreiche Landschaft und Streckenführung und die sehr netten Menschen machen es mir schwer das Land zu verlassen, aber die Nordseeküstentour und Schweden rufen.

Liebe Grüsse aus Göteburg

Günter

21. Juni 2016

 

Dnemark 

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  • 16 Hvide Sande
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  • 18 Deutsche Bunker
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  • 20 Waschtag
  • 21 es ist Sommer hier
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  • 23 Zuerich Bahnhofstrasse
  • 24 Jugi in Fjaltring
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  • 27 Steilkueste bei Feningstrand 2
  • 28 Limfjord bei Vrist
  • 30 Faehre von Thyboron nach Agger Tange 1
  • 31 Faehre vonThyboron nach Agger Tange 2
  • 32 Bunkermuseum in Hanstholm
  • 33 Ausstellungsstcke
  • 34 nur ich und die Nordsee
  • 35 Slettestrand
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  • 37 Norwegische Jugendmusik in Blokhus
  • 38 meine Strandhtte
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  • 40 immer den Wolken nach
  • 41 anstrengend aber einzigartig schoen
  • 42 16km am Strand
  • 43 fuer die Flitterwochen
  • 44 hopp Schwiz 1-0
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  • 45 Skagen
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  • 49 Nordjuetland
  • 50 Toller Service fr Velofahrer
  • 51 inkl. Trinkwasser
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  • 53 Hadsund
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