Schottland

Kaum komme ich nach einer 90 minütigen Fahrt mit der Fähre von den Orkney Inseln in Scrapster in Nordschottland an, fängt es an zu regnen was das Zeug hält. Ein Hafenarbeiter wirft die Hände nach oben und begrüsst mich 01 welcome in sunny Scotland„welcome in sunny Scotland. Das muss der schottische Humor sein. In Thurso suche ich dann im Regen verzweifelt nach einem Quartier. Es ist Hochsaison in Schottland und an der schottischen Nordsee Küste ist alles ausgebucht. Die Northcoast 500 Mile Route (500 Meilen um die Nordinsel von Inverness nach Isle of Sky) ist anscheinend für die Schotten die Urlaubs Tour des Jahres. Schlussendlich finde ich völlig durchnässt in einem kleinen Hotel noch ein Zimmer, ein Gast hatte kurzfristig abgesagt. Im Touristen Büro erfahre ich, dass es auf meiner geplanten Tour von Thurso nach Inverness entlang der Nordseeküsten Tour zurzeit keine freien Unterkünfte gibt. Die nassen Wetteraussichten für die nächsten Tage inklusive Wind bis 60km/h aus dem Westen, und das die Fahrradstrecke ohne extra Seitenstreifen auf der Hauptstrasse mit dem Ferienreiseverkehr entlang führt, verleiten mich dazu die ca. 260 km nach Inverness mit dem Zug zurückzulegen. Immerhin führt die 4 stündige Fahrt durch die schottischen Highlands durch Gegenden wo es nur 08 Natur purdie eingleisige Eisenbahnstrecke gibt, keine Strassen, keine Menschen nur Natur pur. Sich mal kutschieren zu lassen ist auch nicht übel. Vor dem Touristen Büro treffe ich noch ein Pärchen aus Holland welches mit einem besonderen Vehikel unterwegs ist. Sie kommen vom Süden und wollen auf die Orkneys, so kann man sich gut mit wertvollen Informationen gegenseitig austauschen. Sie sind mit einem Liegetandem unterwegs. Das besondere an ihrem Gefährt ist, sie sitzen Rücken an Rücken auf dem Liegetandem. Der hintere Fahrer schaut nicht auf den Rücken des vorderen Fahrers, sondern nach hinten, und somit den überholenden Fahrzeugen direkt ins Gesicht.

Was mich schon auf den Shetlands und Orkneys gewundert hat, ist das eigenartige Verhältnis der Bewohner zu Wärme und Kälte. Egal ob 14 Grad, Wind und Nässe, es wird kurze Hose oder Rock zu T-Shirt getragen. Man erkennt sofort wer Einheimisch ist oder Tourist. Das Englisch mit dem gälischen Einschlag ist auch besser zu verstehen, wenn auch nur zu 90%.

Schottland ist ein der weinigen Länder die ich schon dreimal besucht habe, jedes Mal mit dem Velo, so weiss ich schon ein wenig was Wetter mässig und bezüglich Bergetappen auf mich zukommt. Insgeheim hatte ich aber schon gehofft, dass das Wetter nach 4-5 Wochen ein wenig 13 der Nachwuchsbesser wird, das soll sich aber leider nicht bestätigen. Immerhin fahren die Schotten auf den schmalen Strasse sehr rücksichtsvoll, wenn sie einen Fahrradfahrer sehen. Auf einer einspurigen Strecke war der Rekord knapp 4 Minuten, bevor ein Fahrer sich getraute mich zu überholen. Geduld haben sie hier oben. Was hier kulinarisch nicht fehlen darf ist „Haggis“, das schottische Nationalgericht zu probieren. Der gefüllte Schafsmagen sieht aus wie eine dicke Wurst. Darin sind unter anderem Nierenfett, Schafsleber- und -herz, Hafermehl, Zwiebeln und Muskatnuss versteckt. Das Ganze hat eine feste Konsistenz und schmeckt pikant.

Von Inverness geht es die Lowlands in Richtung Osten der Küste entlang. Es reiht sich ein Trail an den anderen: Coastal trail, Whisky Trail, Victorian Trail, Castle Trail, usw. ich fahre den Coastal Trail entlang bis Aberdeen. Es ist traumhafte hügelige Landschaft entlang der Nebenstrassen ohne viel Verkehr. Man sieht Seehund Kolonien und wenn man Glück hat auch Delfine. Wunderschöne Strände ziehen sich entlang der Küste und immer wieder mal eine Burg, 32 Dunnottar Castledie oberhalb der Küste thront. Den Schotten ist in ihrem Urlaub jedes Wetter recht um an den Strand zu gehen. Wenn immer möglich mit einen Parkplatz direkt am Strand, dann bleibt man stundenlang im Auto sitzen, nur unterbrochen vom Fish and Chips holen und im Auto zu essen. Leider wird die Zimmersuche nicht besser. Die Touristen Büros sind wohl extrem hilfsbereit, aber wenn gemäss ihren Infos alles ausgebucht ist, können sie auch nichts mehr machen. Viele kleine Hotels haben die letzten Jahre zugemacht, da es nicht mehr rentiert. Der Trend zu Ferienwohnungne (self contained units) ist unübersehbar. Am meisten Unterstützung bekomme ich von den Hotel, B&Bs und Guesthouses. Wenn dort nichts frei ist, wird so lange bei Bekannten und anderen Unterkünften herum telefoniert bis ich ein Zimmer habe. Das ist ein mühsamer und mitunter langwieriger Prozess, besonders wenn es regnet und dann noch ein paar Kilometer zu fahren sind. Unschlagbar sind die B&Bs, die Gastgeber sind ausserordentlich kommunikativ und haben auch die besten Informationen bezüglich meiner Tour. Daneben schonen sie auch noch das Tagesbudget mit ca. 30-40 GBP. Praktisch sind abends die PUBs, wo man nicht nur gut essen kann, sondern auch immer wieder einen Gesprächspartner findet.

Ab Maud beginnt der Formatine & Buchan Way, eine stillgelegte Eisenbahnstrecke die bis Dyce führt. Über Stock und 15 ehemalige EisenbahntrasseStein, teilweise komplett mit Gras überwachsen ist die Strecke nur mit einem Mountainbike zu befahren. Es ist aber eine willkommene Abwechslung zu den asphaltierten Strecken. Es geht weiter an der Ostküste über die Coast & Castle Route nach Aberdeen und Stonehaven. In der Nähe von Stonehaven ist das Dunnattor Castle, es liegt in spektakulärer Lage direkt an der Steilküste, es war früher der sicherste Ort in Schottland. Im 17. Jahrhundert wurden hier auch die schottischen Kronjuwelen aufbewahrt.  Es ist eine Burgruine, aber sehr gut restauriert. Dort wurde auch der Film „Braveheart“ mit Mel Gibson gedreht. Eine weitere Besonderheit in Stonehaven ist der Fish and Chip Laden wo Mitte der 90er Jahre der frittierte Marsriegel erfunden wurde. Mittlerweile ist dieser weltweit erhältlich, probiert habe ich ihn aber nicht. Ich mag wohl Fish and Chips und auch die Marsriegel, aber bitte getrennt. Link zu Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Frittierte_Marsriegel

Es bleibt weiterhin sehr herbstlich, das schnelle an- und ausziehen der Regenkleidung wird Routine. Das Wetter wechselt extrem schnell, auf den BBC Wetterbericht achte ich schon lang nicht mehr.

Auf gut ausgebauten Radwegen ging es neben der Küste entlang bis Dundee. Dort liegt das Segelschiff Discovery mit dem Captain Scott 1902 auf die Antarktis Spedition ging. Auf dem Weg aus Dundee heraus, muss man über die Tay Road Bridge. Nicht nur, dass es sich nur um ein beeindruckendes Brückenbauwerk handelt, die 2 Kilometer lange 39 Tay road bridgeBrücke hat für Fussgänger und Velofahrer zwischen den Fahrspuren einen eigenen Weg. Das ist dann schon ein spezielles Feeling wenn links und rechts die Autos und LKWs nur Zentimeter entfernt an dir vorbei rauschen. Hoch auf die Brücke kommt man mit dem Lift inklusive Sprachunterstützung. Die Route bis St. Andrews führt dann auf einem sehr guten Weg durch den „Tentsmuir Forest“, abseits jeglicher Strassen, ganz alleine, eine richtige Erholung, und das ohne Regen. St. Andrews ist das Golf Mekka von Schottland, hier kommt man hin um Golf zu spielen. Nebenbei ist in der Innenstadt noch Chilbi (Kirmes) und ich finde einen Stand mit deutschen Spezialitäten. Was es nicht alles gibt in Schottland neben den vielen übergewichtigen Leuten aller Altersgruppen. Vielleicht liegt das ja an den vielen Fish and Chips Läden mit dem Eisladen nebendran. Es geht weiter nach Edinburgh. Mich trifft der Schock, Millionen von Touristen, kein durchkommen auf den Strassen, alles total überfüllt. Die ersten 2 Wochen im August findet das Edinburgh Festival statt, und dann ist die Stadt eine einzige Partymeile. Das hatte ich nicht auf dem Radar, und bleibe auch nur eine Nacht.

Die letzten Etappen in Schottland sind angebrochen. Es geht östlich der Küste entlang bis ich kurz vor Berwick upon 47 Schottisch Englische GrenzeTweed die Grenze nach England überfahre. Auch dort fällt mir auf, dass viele Kirchen als Cafe, Restaurant, Trödelmarkt, etc. genutzt werden.

Schlussendlich bin ich ca. 600km gefahren. Die Routen waren sehr abwechslungsreich und gut ausgezeichnet, ein verfahren ist so gut wie unmöglich. Die Schotten sind auch hilfsbereit und kommunikativ. Nur wenn man doch nach dem Weg fragen sollte, sollte man doch nur einen Schotten oder Schottin fragen die gerade Fahrrad fährt. Ansonsten bekommt man die typischen Antworten wie ein Autofahrer die Strecke sieht. Das Wetter war auch typisch schottisch, nur das mir öfters gesagt wurde, dieser Sommer ist selbst für Schotten zu nass und zu kalt.

Gruss aus Newcastle

14. August 2016

Schottland Kopie

  • 01 welcome in sunny Scotland
  • 02 Strassen von Thurso
  • 03 beides passt
  • 04 Liegetandem
  • 04 wie lange noch
  • 05 links oder rechts
  • 06 der Regen kommt
  • 07 Huegel und Wolken
  • 08 Natur pur
  • 09 schon beeindruckend
  • 10 Nordseestrand
  • 11 Burg in Inverness
  • 12 typisch schottisch
  • 13 der Nachwuchs
  • 14 tolle Mutation in Elgin
  • 15 ehemalige Eisenbahntrasse
  • 16 Seehundsiedlung in Buckie
  • 17 die Kueste
  • 18 meine Begruessung
  • 19 Strasse zur Nordsee
  • 20 Golfen am Meer
  • 21 Collen
  • 22 mein Domizil
  • 23 der Strand von Banff
  • 24 Duff Haus in Banff
  • 25 Willkommen
  • 26 Sonntags Morgen um 11
  • 27 unterwegs bei Aberdeen
  • 28 Formatine  Buchan Way
  • 28 ein paar Huegel und Getreide
  • 29 Strand von Stonehaven
  • 30 die Steilkueste
  • 31 eine Burgruine bei Stonehaven
  • 32 Dunnottar Castle
  • 33 uneinnehmbar
  • 34 Erfinder des fritierten Marsriegel
  • 35 hier lernen die Kleinen schon
  • 36 Stonehaven Hafen
  • 37 Dundee die Discovery von Captain Scott 1902
  • 38 Lift zur Bruecke
  • 39 Tay road bridge
  • 40 Tay road Bridge in Richtung Dundee
  • 41 Tentsmuir forest
  • 42 typische schottische Reihenhuser
  • 43 en Guete
  • 44 Edinburgh Castle
  • 45 Edinburgh Festival
  • 46 wer kennt das nicht
  • 47 Schottisch Englische Grenze
  • schottland8