Ägypten

Im Land der Sphinx und der Pyramiden wird sich das Klima nicht wesentlich ändern und die Schattenhaine nicht zahlreicher werden. Aber schon die Namen lassen grossartige Erlebnisse erwarten: Alexandria, Kairo, Luxor, Assuan. Schmerzhaft wird vor allem die Trennung vom Nil werden, dem man als Tourist am unteren Lauf nicht entlang fahren darf. Sein Wasser wird auf der Fahrt durch die Wüste fehlen und das Auf und Ab wird besonders schwer, weil man zuweilen unter Meereshöhe kommt und dann wieder hügeliges Gebiet durchfährt.

Teil 1

Das Allererste, was ich an der Grenze höre, ist "Welcome to Egypt". Der Grenzübertritt von Libyen nach Aegypten ist ein Hürdenlauf von einem Beamten zum anderen. Jetzt fällt mir auch wieder ein, wo die Bürokratie erfunden wurde, in Ägypten vor vielen Tausenden von Jahren. Von einem Büro zum anderen, an einer Schlange Wartender vorbei in ein neues Büro und immer die gleichen Fragen resp. Begrüssungen: Welcome in Egypt. Auch mein Gepäck wird nicht kontrolliert. Alle wollen wissen, woher ich komme, was das Velo kostet und wollen probefahren - in Libyen hat das keinen interessiert! Da es kurz zuvor geregnet hat, und hier alles schlammig ist, sehe auch ich dementsprechend aus, aber keinen stört es, vorsichtshalber habe ich lange Hosen an, da in den islamischen Ländern kurze Hosen gleichbedeutend mit Unterhosen ist. Nach einer Stunde ist alles vorbei und ich freue mich innerlich schon auf das erste Bier in der Grenzstadt Salloum. Bild Aegypten

Das erste, was mir auffällt, ist das viele Militär, das hier rechts und links der Strasse schussbereit steht und mit ihren Gewehren auf irgendwelche Terroristen wartet. Sie grüssen mich aber immer mit "welcome" und lassen mich weiterfahren. Ich merke keinen Unterschied zwischen Libyen und Ägypten, viel Dreck und kein Bier, trotzdem bleibe ich eine Nacht. Auch hier wieder ein Friedhof von WWII. In den Dörfern kommt es immer wieder zu einem Wettrennen zwischen den Eselskarren und mir. Dem Esel und dem Spass der Kinder zuliebe lasse ich sie immer wieder davon ziehen bis ich sie dann doch einhole und das Spiel von neuem beginnt. 
In Richtung Mars Matrouh und Alexandria wird es schon besser, was die Gegend betrifft, Häuser und Geschäfte links und rechts bieten immer wieder Abwechlsung, und es gibt sogar vereinzelt Velofahrer. Es gibt sogar in Matrouh ein Touistenbüro und einen Rommelstrand inkl. Museum (was ich auslasse). Was mir nach drei Wochen Libyen am meisten auffällt: in Ägypten sind Frauen auf der Strasse und in den Geschäften oft und in ganz gewohntem Auftritt zu sehen, in Libyen war das nicht der Fall.

Mittlerweile lerne ich auch in den Internetcafes das gerade Geschriebene irgendwie zu speichern, Stromausfälle haben mich mitten im Schreiben schon zur Weissglut gebracht. Es wird sauberer und das Mittelmeer ist einfach schön türkisfarben und kitschig. Die Küstenstrasse (Autobahn mit drei Spuren und Eselskarren...) ist in einem sehr guten Zustand. Vor Alexandria gibt es Dutzende von lokalen "holiday resorts", die im Sommer genutzt werden, und überall steht ein grosses Schild mit MC und KFC (Mac Donald und Kentucky Fried Chicken). Leider haben sie alle geschlossen, weil es Freitag ist, dabei hätte ich nur all zu gerne mal zur Abwechslung einen Big Mac vertilgt. Die Fahrt durch Alexandria an die Wasserfront zwecks Hotelsuche wird zu einem Spiessrutenlauf mit dem Velo, der Verkehr und die Fahrweise übertrifft alles bis dahin Erlebte. Irgendwie schaffe ich es dann doch. Das Zimmer und das Bier sind gesichert. Zisch. Und einen offenen Mac Donalds gibt es auch, es lebe die Standardisierung. Alexandria ist eine "europäische" Stadt in Ägypten. Italiener, Franzosen, Engländer und Griechen haben sie über Jahrhunderte geprägt und das merkt man auch. Die vielen Strassencafés, die Uferpromenade, die Architektur alles passt. Bild AegyptenHier wird übrigens nicht nur in den Cafés Tee getrunken und Shisha geraucht, sondern auch Domino und Backgammon gespielt, und zwar von morgens bis spät in die Nacht. Der Lärm und die Huperei sind ohrenbetäubend. Das Leben findet hier auf der Strasse statt und wieder habe ich das Gefühl die Männer machen Business beim Tee trinken.

Nach Cairo nehme ich den Zug und geniesse die Fahrt durch das Grün und das bewirtschaftete Nildelta. Leider gilt mein SBB GA hier nicht, aber die CHF 6 für die drei Stunden Fahrt (240km) nehme ich in Kauf. Hier verlasse ich nach knapp 3000 km das Mittelmeer und fahre Richtung Süden bis ich in ca. 10 Monaten dann in Kapstadt ankomme werde. In Cairo trifft mich schier der Schock, der Verkehr ist nochmals um vieles schlimmer als in Alexandria. Ich schaffe es kaum mit dem Velo vom Bahnhof (Ramses train station) auf die andere Seite zu kommen. Ich schiebe erstmal bis ich eine Lücke erspähe und dann "grind abe und pedale" bis zur nächsten Lücke nach drei Metern. 18 Mio. Einwohner und alle auf der Strasse - einfach unglaublich, trotzdem fühle ich mich ganz wohl. Man kann wieder mehr wie fünf Wörter Englisch reden und es pulsiert hier alles. Trotz dem enormen Verkehr sind die Autofahrer sehr tolerant und haben mit den Fussgängern ein System entwickelt, das funktioniert. Man könnte für das nächste Letzigrund-Meeting eine neue Disziplin einführen: Sprint kombiniert mit Hürdenlauf in der old town Cairo während der rushhour von der Metrostation Ataba zum ägyptischen Museum (ca. 2000m).

Ich warte jetzt auf meine Visumsverlängerung für den Sudan und dann geht es entlang der westlichen Wüstenstrasse nach Luxor. Es sind 1400km mit vier Oasen dazwischen, die Abstände betragen bis zu 350km pro Etappe, da heisst es genug Lebensmittel und Wasser mitnehmen. So eine Fahrt ist auch für mich neu, so alleine in der Wüste mit den Skorpionen, im Sand schlafen, Spaghetti beim Sonnenuntergang kochen etc. Ihr erfahrt, so ich es schaffe, "in Shallah" kurz vor Weihnachten Details: Cairo - Bahariyya Oasis (Bawiti) ca 350km, Bawiti - Farafa Oasis (black und white desert) ca. 180km, Farawa oasis - Dakhla oasis ca. 290km, Dakhla oasis - Kharga oasis ca. 180km, Kharga 0asis - luxor 310km.

Das waren meine ersten Eindrücke von Ägypten.

Salaam aus Cario, 22. November 2006, Günter

Teil 2

Die Visaverlängerung für den Sudan hat geklappt, es dauerte 4 Tage und jeden Tag hiess es:"come tomorrow or the day after tomorrow", am vierten Tag war eine anderer Mitarbeiter hinter dem Counter und auf einmal war es eine Sache von 5 Minuten, Eintrag in den Pass plus Stempel und das war's. Ich nutze die freien Tage und schaue mir die Pyramiden, das Ägyptische Museum, das islamische Viertel und vieles mehr an. Die Zeit vergeht wie im Fluge und ich muss mich auf die Socken für meine Wüstenetappen machen.

Da ich nicht weiss wie die Verpflegungssitiutaion unterwegs ist, kaufe ich fÜr die ersten 400km bis zur ersten Osae 15l Wasser und genÜgend Spaghetti und Tomatensauce. Kaffee und Tee und das Fladenbrot darf auch nicht fehlen. Das Velo wackelt ganz schön mit dem ganzen Gepäck und ich mache mich auf eine anstrengende Etappe gefasst. Der Weg aus Cairo über Giza und October City zur Wuestenstrasse zieht sich und ich brauche gut 3 Stunden bis ich endlich auf der richtigen Strasse bin. Unterwegs geniesse ich noch bei einem Fast-Food-Stand ein paar Falafel und dann geht es los. Der Verkehr wird merkbar weniger und es geht nur gerade aus. Linkerhand ist eine Eisenbahnstrecke und eine Menge Raffinerieren und sonstige Fabriken zu sehen, ich fühle mich also nicht ganz so alleine wie erwartet. Die Strasse ist flach und ich habe endlich mal merkbaren Rückenwind. Der Zustand der Strasse ist super, toller Asphalt ohne Schlaglöcher.

Es ist rundherum flach und relativ eintönig. Ich mache mir Gedanken, wo ich übernachte und das Zelt aufschlage. Die Wüste hier ist eine reine Geröllwüste ohne Sand. Nach gut 100km finde ich ein Plätzchen wo es windstill ist und ich bereite meine erste Wüstennacht vor. Da die Temperaturen o.k. sind verzichte ich auf das Zelt und schlafe auf der Matte mit Schlafsack. Es ist still und schon fast unheimlich ruhig, ich sinke aber in einen tiefen Schlaf bis mich um 8 Uhr die Sonne wach kitztelt. Tee kochen und schlabriges Faldenbrot mit Streichkase sind mein Frühstück. Die Strecke ändert sich nicht, immer geradeaus und Geröll links und rechts. Es gibt auch ein wenig Verkehr, aber ich kann die Autos an zwei Händen abzählen. Alle grüssen mich mit Hupen.

Den zweiten Tag schlafe ich einer Ambulanzstation, welche ca. alle 70km gebaut wurde. Dort arbeiten meistens drei Leute und warten auf Unfälle, die angeblich einmal im Monat vorkommen: 1x Nurse (männlich), 1 x Driver und einer, der kocht etc. Ich lerne wieder Domino zu spielen und gewinne auch manchmal. Es gibt die Ambulanzstationen die ganzen 1400km bis Luxor, sie bieten Abwechslung und eine willkommene Schlafgelegenheit. In Richtung Baharija wird die Landschaft schon interessanter. Es tauchen kleine Erhebungen links und rechts auf, die wie kleine Pyramiden oder Tafelberge aussehen. Nach drei Tagen und gut 400 Kilometern komme ich in Baharija an und freue mich auf ein Hotel. Hier fängt die "Black Desert an. Die Landschaft ist von schwarzem Vulkangestein und Staub überzogen, daher der Name.

Die Oasen befinden sich in riesigen Wüstensenken (Depressionen), welche vor Millionen von Jahren mit Wasser gefüllt waren. Die Senke von Baharija umfasst ca. 2000qkm. Hier wachsen Palmen und es werden Gemüse und Obst angebaut. Es sind keine Oasen, wie ich sie mir von den Kalenderbildern vorgestellt habe - Sandhügel, Zelte und Tuaregs - nein es sind Dörfer mit Strassen und Schulen; alles was so ein Dorf halt braucht. Die Senke beträgt bis zu mehreren 100Hm, das sind dann schöne, kurze Downhills oder Uphills. Die Oasen werden durch zahlreiche Quellen mit Wasser versorgt, die sehr schwefel- oder eisenhaltig sind. Viele Brunnen werden als Gesundheitsbrunnen bezeichnet und sind benutzbar zum Erholen und Waschen, auch ich geniesse ein paar und rieche danach wie ein faules Ei oder ein Eisenwerk. Aber es tut gut .

Bild Aegypten Zwischen Baharija und der Oase Farafra ist die berühmte Wüste - White Desert - ein einmaliges Naturschauspiel aus weissen Kalkgebilden, welche unglaublich bizarre Formen darstellt, "Mushrooms", "Chicken", "Cobras" etc. - traumhaft schön. Hier fahren auch die meisten Touristen hin. Ich treffe in "The Middle of Nowhere" Dennis aus Neuseeland mit seinem Velo und wir fahren gemeinsam ein paar Tage zusammen. Der Verkehr wird immer weniger und ich kann die Autos pro Tag an einer Hand abzählen. Mittlerweile ist Vollmond und wir geniessen bei Sternenhimmel und Sonnenuntergang unsere Spaghettis mit Thunfisch (das musste ja kommen). Wir verstehen uns prächtig und der Abschied fällt schwer.

Es geht weiter zur Oase al Dakhlar, welche sehr schön liegt und ein sehr grosses Gemüseanbaugebiet ist. Die Versorgungslage ist sehr entspannt, da es doch überall kleine Anwesen gibt mit Wasser gibt. Die Ambulanz und Polizeistationen helfen auch aus, wenn nötig. Das Wüstennomadenleben wird zum Alltag, ein windstilles Plätzchen rechts oder links der Strasse suchen, Kocher aufbauen, Tee kochen und Schlafsack zurecht machen - that's it. Um 17:30 Uhr wird es dunkel und ab 16 Uhr schaue ich nach einem geeigneten Platz. Manchmal gibt es auch verlassene Häuser, die Schutz vor Wind bieten. Bedenken, dass ich verdurste oder verhungere tauchen nicht auf, die Satteltaschen sind gefüllt und wie gesagt, Wasser gibt es auch. Optimal ist die Reisezeit jetzt. Tagsüber wird es ca. 27 Grad warm und nachts ca. 10 Grad. Ich fahre immer so gegen 9:00 Uhr weiter, da wärmt die Sonne schon schön. Solange es gegen Süden geht, hilft der Nordwind. Mühsamer wird es in richtung Osten, da gibt es Seitenwind der nervig sein kann. Umgekehrt würde ich die Strecke nicht fahren. Dattel sind übrigens fester Bestandteil meiner Nahrung. Sie schmecken köstlich, machen satt und kosten fast nichts.

Bild Aegypten Hinter der Oase Al Dakhlar wird es dann ganz einsam, zwei Autos am Tag und sonst nichts, immerhin gibt es Sandwüste. Die strecke nach Al Kharga ist das Gleiche, ein Teerstreifen der mir gehört - die ganze Fahrbahn für hunderte von Kilometern. Es wird aber trotzdem nicht langweilig, die Polizeistationen und Ambuanzleute freuen sich über jeden Vorbeikommenden. Es wird Tee getrunken und Shisha geraucht und dann geht es weiter. Die Polizei hat immer Strassensperren eingerichtet,an denen man anhalten muss. Man wird gefragt: "Nationalty" ? - und das war's. Die Polizisten tragen das in eine Art Schulheft ein. Die leeren Benzintonnen werden beiseite geräumt und weiter geht es. Warum in der Einsamkeit Kontrollen sind, weiss ich nicht, Tatsache ist, man verfolgt die komplette Route eines Reisenden (über Funk) und alle Polizeistaionen wissen Bescheid. Das gibt ein beruhigendes Gefühl, aber vielleicht hat der Staat auch ein kleines Paranoia-Problem. Es gibt in ganz Ägypten unzählige von Polizeieinheiten: Tourimus-, Verkehrs-, Stadt- und was weiss ich Polizei. Ich bekomme das GefÜhl nicht los, dass 80% der männlichen Bevölkerung irgendwie für den Staat arbeiten.

Nach 1400km ist Luxor erreicht und ich leere meine noch fast vollen Wasserbeutel für die nächste Zeit aus. In einem netten Hotel an der Westbank verwandele ich mich von einem Wüsten-Velonomaden in einen Touri. Man spricht deutsch. Fazit: die Wüstentour war einmalig und ich würde sie jederzeit wieder machen. Sie stellt keine grossen Ansprüche an Mensch und Material. Der Reisende ist halt auf sich alleine gestellt und trifft nur ca alle 1-3 Tage jemanden zum reden, aber auch das hat seine Reiz. Die Natur und Ruhe ist einmalig. Die Oasenbevölkerung sind einfache, freundliche Leute mit einer herzlichen Gastfreundschaft, die mir sehr gut getan hat.

Jetzt geniesse ich Luxor. Caro kommt mich besuchen und bringt Cervelat und Käse mit. Dann geht es am 1.1.07 mit dem Schiff von Assuan nach Wadi Halfa in den Sudan. Dort erwartet mich wieder Wüste, dann aber ohne Teer, nämlich "Dirtroad", das wird mein nächtes Abenteuer.

Der nächste Bericht wird so in sahllah aus Khartum kommen.

Ich wünsche allen Leser/Innen eine friedliches Weihnachtsfest und einen gueten Rutsch in das neue Jahr.

Sallam aus Luxor

Teil 3

Luxor ist ein anstrengendes Pflaster um Urlaub zu machen. Man wird hier überall angesprochen (meistens von hinten). Ob man eine Felucca, einen Esel, ein Kamel oder was auch immer mieten oder kaufen will. Das wird nach zwei Tagen echt nervig. Manchmal beneide ich die "all inklusive Touristen", die kennen solchen "Hassle" nicht oder kaum. In Luxor versucht man dich auch permanent beim Einkaufen übers Ohr zu hauen. Eine Flasche Wasser kostet z.B. normalerweise zwei Pfund. Hier wollen sie fünf Pfund! Das gilt für alles, was man kauft. Immer ist man gezwungen wegen solchen Kleinigkeiten zu handeln, das ist mehr wie nervig. Da ich die Preise mittlerweile kenne und auch die Zahlen auf arabisch verstehe, gebe ich einfach den mir bekannten tiefsten Preis an, zahle und gehe resp. frage gar nicht mehr, sondern nehme mir die Ware, zahle und gehe. Das funktioniert auch. Das ist kein Handeln wie im Bazar, das ist einfach Abzockerei. Viele andere Reisende, die ich treffe, haben die gleichen schlechten Erfahrungen gemacht. In Assuan erfahre ich das die Luxorianer überall wegen ihrer Art sehr unbeliebt sind.

Bild Aegypten Ansonsten ist Luxor mit all seinen Sehenswürdigkeiten sehr interessant, im Besonderen die Gräber im valley of the kings und der karnak temple. Da ich noch Zeit habe bis die Fähre in den Sudan abfährt, fahre ich mit dem Bus nach Hurghada, um ein wenig zu baden und zu schnorcheln. Leider ist das Wetter so schlecht, dass ich nach drei Tagen in Richtung Assuan verreise. Mit dem Velo lässt mich die Polizei nicht von Luxor nach Assuan fahren, angeblich wegen der Sicherheit. Ich bin die vielen Diskussionen leid und nehme den Zug nach Assuan. Dort erfahre ich, dass die Fähre wegen den Feiertagen erst am 3. Januar abfährt. Nochmal zwei Tage zuwarten.

Mittlerweile habe ich mein Ticket bekommen und fahre am 3. Januar nach Wadi Halfa. Berichte und Mails von anderen Velofahrern versprechen für die erste Etappe nichts Gutes. Nur Wüste und Sand - die ersten 400km. In einer Mail, die ich bekam, stand der Weg entlang dem Nil (von einer Strasse kann man nicht sprechen) sei für Esel und Panzer geh- bzw. fahrbar. Die Route durch die nubische Wüste (östlich) ist auch nur eine Sandpiste. Das erste Wasserloch mit trinkbarem Wasser kommt nach 180km. Da bin ich mal gespannt, was auf mich zukommt. Anyway - ich freue mich auf den Sudan, die Leute dort sollen sehr freundlich sein und nicht so extrem aufdringlich wie hier in Ägypten.

Bild Aegypten 14.1.2007 In Assuan an der Ablegestation ist der Treffpunkt aller Reisenden, die in den Sudan wollen. Ich treffe dort Ungaren, Japaner, Franzosen und Deutsche, es gibt viel zu erzählen und so sind die 17 Stunden Nachtfahrt auf dem Deck schnell vorbei. Leider ist kein Velofahrer dabei mit dem ich die nächste Etappe zusammen fahren könnte. Die Abfertigung und Zollformalitäten sind mit einem vorhandenen Visum relativ schnell erledigt. Die Fahrt mit dem in Deutschland gebauten Frachtschiff von Assuan nach Wadi Halfa war ein Erlebnis für sich, Hunderte von Sudanesen kaufen in Ägypten ihren Hausrat ein und transportieren diesen dann per Schiff in den Sudan, da werden komplette Kleiderschränke, Kühlschränke, Satellitenschüsseln und Unmengen von Obst und Gemüse und Pepsi Cola an Deck gebracht. Das Schiff ist total beladen und es gibt kaum ein Durchkommen. Bei Vollmond und Sonnenaufgang passieren wir Abu Simple rechterhand, es sieht traumhaft schön aus, die ersten Flieger mit Touristen landen auch schon um diese Uhrzeit. Wir passieren den nördlichen Wendekreis des Krebses und befinden uns dann schon in sudanesischem Gewässer.

Bye bye Egypt

Fazit: Ägypten ist auf der einen Seite ein sehr interessantes Land mit extrem viel Kultur und dem roten Meer toll zum Erholen, aber auch ein sehr armes Land (ein Lehrer verdient ca. 50 CHF pro Monat). Sobald man sich ausserhalb Luxor und Hugharda befindet, sind die Leute auch echt nett und freundlich, am Ende des Tages geht es aber immer ums Geld. Man kann sehr günstig übernachten (ab ca. 5 CHF) und auch sehr preiswert essen (ab 3 CHF). Die Strassen sind sehr gut ausgebaut und die einheimischen Fahrer nehmen Rücksicht. Das ist immer mit viel Huperei und Lärm verbunden, aber es funktioniert erstaunlich gut. Über das Velofahren entlang des Nils hört man Verschiedenes, angeblich kann man von Kairo nach Luxor fahren, andererseits hört man es ist nicht möglich - typisch ägyptisch. Wie schon erwähnt ist die westliche Wüstenstrasse problemlos zu befahren, man muss sich nur an die Polizeiposten gewöhnen (arme Staatsdiener).

Specials

altArtikel aus dem Tagesanzeiger vom 21.12.2006.

Route

Die Karte unten zeigt den gefahrenen Weg. Weitere Informationen zur gefahrenen Strecke sind bei auch bei denaltTourdaten zu finden.

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