Kenia

Ich bin in Ostafrika angekommen. Nach fünf Wochen Äthiopien bin ich gespannt, was hier auf mich zukommt. Ich geniesse den ersten Abend in der Grenzstadt Moyale auf der Kenianischen Seite ohne Kinder und die üblichen Rufe nach Geld und allem möglichen. Die Piste nach Isiolo soll angeblich nur im Konvoi zu fahren sein. Im Grenzgebiet gibt es immer wieder Unruhen zwischen einheimischen Stämmen und die besorgen sich dann für Waffen und Munition bei den Reisenden Geld. Bild AethiopienEin paar Tage vor meiner Ankunft fand gerade ein Überfall statt. Der zuständige Polizeikommandant hat daraufhin wieder die Konvoipflicht eingefuehrt. Das heisst, jedem Fahrzeug werden mehrere stark bewaffnete Polizisten zugeteilt. Die sitzen dann ober auf dem Truck und beschützen einen. Das ganze gilt aber nur für die ersten 80km hinter der Grenze. Dann steigen die Polizisten wieder ab und die Trucks fahren ohne Schutz weiter. Ich will mich auf kein Risiko einlassen und nehme den Truck von Moyale bis Marsabit (250km). Von dort geht es gute 260km auf Schotter bis nach Isilio. Es werden die bislang härtesten Kilometer auf meiner Tour. Schotter, Wellblech und Hitze - alles was das Veloherz begehrt. Die Landschaft ist steppenartig und hat wenig zu bieten ausser Staub und Schotter. Unterwegs übernachte ich in sehr einfachen Hotels und auch in katholischen Missionsstationen. Herzlichen dank liebe Schwestern, die Dusche und das Bett haben gut getan. Zum Essen gibt es meistens Ziege im Kilo-Pack, das heisst, man bestellt 125, 500, 750 Gramm oder mehr frische Ziege, das Fleisch wird von der toten Ziege abgeschnitten und dann gebraten. Kann ganz gut schmecken, wenn nicht zu viel Fett und Knochen dabei sind. Dazu gibt es die herrlichen Chapattis. (eine Art Pfannkuchen).

Die Hitze wird immer schlimmer, bis zu 45 Grad tagsueber, nachts bleibt das Thermometer bei ca. 30 Grad stehen. Die Bettgenossen ( Cockroaches, Heuschrecken und Ameisen gehören hier einfach dazu. Immer wieder werde ich von den Einheimischen daran erinnert, auf mein Fahrrad und das Gepäck aufzupassen; hier ist alles mit dicken Ketten und Vorhängeschlössern gesichert. Bild Kenia

Hinter Isilio gibt es wieder Teerstrassen, meine Knochen und die Blasen am Hintern freuen sich. Es geht in Richtung Mount Kenia und ich sehe weit oben (5200m) Schnee - den ersten in dieser Saison. Ab hier sieht man auch den optischen Unterschied zwischen den Nordafrikanern und Ostafrikanern. Der Körperbau und die Physiognomie zeichnen sich hier durch eine sehr kräftige Statur mit eine eher platten Nase sowie eine dunkelbraune Hautfarbe aus.

Die Landschaft wird immer schöner und auch sehr hügelig, ist aber angenehm zu fahren. (bis zu ca. 7% Steigung) ich fahre an riesigen Blumenplantagen vorbei, deren Blumen alle nach Holland zur Blumenbörse gehen und von dort aus verteilt werden. Ein Überbleibsel der britischen Kolonialazeit ist auch der Linksverkehr, man gewöhnt sich aber relativ schnell daran. In Richtung Nairobi geniesse ich auch die ersten Hotelzimmer, wo das WC fast zu 100% richtig funktioniert inkl. WC-Deckel, und man glaubt es nicht, eine Papierrolle vorhanden ist. Vorher gab es immer nur abgezählte Blaetter (ca. 25 Stück aber immerhin doppelllagig). Ich überquere den Äquator. Kenia ist eines von 10 Ländern, die vom Äquator berührt werden.Bild Kenia Die Satellitenschüsseln stehen alle senkrecht zum Himmel. Ich lerne die ersten und einzigen Wörter Kisuaheli: Wazungu (Weisser), Hakuna matata (macht nichts, kein Problem) und Jambo (Hallo). Englisch wird hier sehr gut gesprochen nicht nur in den Städten, sondern auch in den Dörfern. Man merkt, dass Kenia ein Touristenland ist; sehr freundlich und service-orientiert - ein ganz neues Gefühl.

In Nairobi angekommen, sehe ich überall nur Securitas, teilweise schwer bewaffnet. Sie stehen vor jedem Shop, vor jedem Hotel - einfach überall. Ich bekomme ein ungutes Gefühl. Man nennt Nairobi auch Nairobby. Abends nach Ladenschluss sind die Strassen leer gefegt und ich werde mehrfach gebeten, sobald ich das Hotel verlasse sofort in ein Taxi zu steigen. Gut, dass nebenan ein Restaurant ist. Es ist ein unangenehmes Gefuehl und ich bin echt froh, mich nach drei Tagen westwärts auf den Weg nach Uganda machen zu können. Dort überquere ich nochmals das Rift Valley mit unglaublichen Ausblicken. Es geht auch dementsprechend steil rauf, aber es lohnt sich, wären da nicht die LKW-Fahrer, die rund um die Uhr Schweröl von Mombasa nach Kampala transportieren. Ein Wahnsinn und dann werden die Strassen immer schlechter, nur noch Schlaglöcher. Man kann eigentlich nicht mehr von einer Strasse reden. Dazu kommen noch die lokalen Toyota-Taxis (Matatus), die wie verrückt rasen. Es gibt ein paar kritische Situationen und ich bin froh, abends mein Ziel zu erreichen. Die Zeitungen, das Fernsehen ist voll von den täglichen Unfällen. Ich sehe auch ein paar Wracks am Strassenrand liegen.

Bild KeniaUnterwegs besuche ich den Hell's Gate Park, einen der wenigen Parks, die man zu Fuss oder mit dem Velo durchqueren kann. Ein wunderschöner Park mit der traumhaften Rift Valley Aussicht. Leider sehe ich keine Giraffen, ein paar Zebras müssen genügen. Hier gibt es auch Regen, seit Monaten der erste Regen, meistens so ab 17:00 Uhr, wenn ich mein Quartier gefunden habe - ein ganz neues Gefühl. In Kericho auf ca. 2300m Höhe gibt es riesige Teeplantagen, Grün so weit das Auge sehen kann. Obst gibt es sowieso in Hülle und Fülle; Avocados, Mangos, Papayas, Bananen, Guaven, Passionsfrucht und viele mehr - ich lebe gesund.

In Kisumo kurz vor der Grenze zu Uganda lebt die halbe Stadt vom Velotaxi. Hinten auf dem Gepäckträger wird die Kundschaft meilenweit umher gefahren. Echt schön anzusehen.

Drei Wochen in Kenia haben Spass gemacht, ein sehr nettes kultiviertes Volk, immer freundlich aufgestellt und zu einem Schwätzchen bereit. Sehr hilfbereit und unaufdringlich. Die Kinder und Erwachsenen winken alle vom Strassenrand und lachen mit ihren grossen Augen und weisen Zähnen. Ich fahre mehr einhändig wie zweihändig. Es macht viel Spass, hier Velo zu fahren. Das war nicht in allen Ländern zuvor so. Jetzt geht es nach Uganda, ein Land, von dem ich so gut wie nichts weiss ausser, dass Idi Amin jahrelang wie ein Vandale geherrscht und das Volk ausgebeutet hat.

Route

Die Karte unten zeigt den gefahrenen Weg. Weitere Informationen zur gefahrenen Strecke sind bei auch bei denaltTourdaten zu finden.

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