Sambia

Nach fast zwei Tagen Schifffahrt kommen wir in Mpulungu bei guten 38 Grad Celsius an und das Be- und Entladen ist wieder ein kleines afrikanisches Abenteuer, aber am Ende klappt alles perfekt.Bild Sambia Im Immigrationsbüro kommt dann die grosse Überraschung: ich muss Platz nehmen und es kommt die hübscheste und attraktivste immigrations lady, die ich in meiner Reisezeit je gesehen habe, eine Frau mit toller typisch afrikanischer Frisur mit ihren tausend kleinen schulterlangen Zöpfen und einem Gesicht, wie aus Stein gemeisselt, und mit Konturen, die mich sprachlos machen. Ich muss mich erst sammeln, bevor ich nervös meinen Pass rauskramen und ihr übergeben kann. Ich versuche mit vielen Fragen die Prozedur zu verlängern und ich bekomme mit dem sympathischsten Lächeln der Welt alle Fragen beantwortet. Gut nur, dass ihr Chef neben ihr sitzt?

Zum ersten Mal muss ich beim Zoll alle Taschen öffnen bevor ich weiterradeln darf.

Bild SambiaDie Realität holt mich gleich wieder ein, denn es liegen eintausend Höhenmeter auf vierzig Kilometern vor mir bis Mbala. Es fehlen noch etwa 1600 Kilometer Fahrt bis ich Livingstone (Victoria-Falls) im Südwesten erreiche. Ich fahre die North West Road entlang über Mbala, Kasama, Mpika, Serenje und Kabwe nach Livingstone. Die Fahrt vom Nordwesten in den Süden zieht sich gute 1000 Kilometer geradeaus wie an einer Schnur gezogen durch Savannenland mit viel hohem Gras und Bäumen auf 1200 Metern Höhe. Immerhin sind die Strassen in einem sehr guten Zustand und es ist angenehm flach, mit ein paar moderaten Steigungen. Die Distanzen sind gross in Sambia, speziell im Norden. Das Reisen macht durch die freundliche und offene und niemals aufdringliche Art der Sambier unglaublich viel Spass, eine ganz neue Dimension auf dieser Tour.

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Jedes Gespräch endet mit einem «safe journey»! Es wird immer wieder betont, dass Sambia ein sicheres Reiseland ist. Hier spricht man sogar auf dem Lande ein sehr gutes Englisch, das Beste notabene, welches ich bis jetzt auf meiner Reise angetroffen habe. Im Gegensatz zu allen anderen Ländern lassen sich die Sambier gerne fotografieren (nur die immigrations lady nicht) und das, ohne Geld zu verlangen. Ich höre kein "mazungu, mazungu" oder "ferenje, ferenje" mehr am Strassenrand, es ist einfach ein Genuss hier zu radeln. In Sambia hat die Regenzeit aufgehört und das Klima ist optimal zum Velofahren, leider sind die Nationalparks nicht auf meiner Route, sie sollen in Afrika einmalig sein, noch sehr ursprünglich und unberührt mit sehr wenigen Touristen. Man nennt Sambia auch "the real africa". Das Preisniveau ist das bisher höchste, es sind fast Schweizer Verhältnisse. Unterkünfte, Essen, Internet und Zeitungen verschlingen täglich viel Geld. Und das in einem Land, das zu den Ärmsten der Welt gehört. Das Durchschnittseinkommen liegt bei zwei bis drei US Dollar pro Tag. Eine Tageszeitung kostet 1 US Dollar. In einer Tageszeitung lese ich, dass im Jahre 2010 ca. 20% der Kinder entweder Halb- oder Vollwaisen sein werden - eine unglaubliche Zahl. HIV/AIDS ist in Ost- und im südlichen Afrika neben Malaria die Krankheit mit der höchsten Sterberate.

Der Unterschied hier in Sambia zwischen arm und reich ist extrem.

In diesem Land gibt es für Reisende wunderbare Lodges und Camping Sites mit sehr guter Infrastruktur zum Übernachten, inklusive Essen und kaltem Bier. Hauptmahlzeit ist die Mais- und Maniokpampa Nshima genannt, dazu gibt es Gemüse, Fleisch, Fisch oder Chicken, das Ganze wird mit der rechten Hand gegessen.

Ich hatte auf meinem Weg schon gehört, dass da noch zwei crazy germans with bicycle unterwegs seien. In Kabwe treffe ich sie dann. Roswitha und Roland aus Köln sind seit drei Jahren mit dem Velo unterwegs. Ich bleibe einen Tag bei ihnen, es gibt viel zu erzählen und auszutauschen (Infos unter www.impetusinMundum.de).

Auf dem Weg nach Lusaka bekomme ich im wahrsten Sinne des Wortes einen dicken Hals. Ich radle vergnügt dahin und urplötzlich kommt ein Lokaler aus dem Busch an den Strassenrand, bückt sich und in dem Moment, wo ich an ihm vorbeifahre, wirft er eine Handvoll Schottersteine in mein Gesicht. Bevor ich realisiere, was passiert ist, ist er schon wieder im Busch verschwunden. Gott sei Dank fliesst kein Blut, aber mein Hals an der linken Seite wird dick und dicker, es tut aber kaum weh, so kann ich wenigstens weiterfahren. Es muss ein Irrer gewesen sein, so was entspricht überhaupt nicht der sambischen Mentalität.

In Lusaka treffe ich im Backpackers nach gut fünf Wochen wieder die ersten Reisenden seit Kigali/Ruanda. Viele kommen aus Botswana, Namibia und Südafrika, wo ich hin will, so gibt es bei viel Bier sehr gute Informationen.

Bild SambiaHier werden sogar die Strassenverkehrsregeln eingehalten, bei Rot wird angehalten und bei Grün weitergefahren. Einmalig bis jetzt in Afrika. Immer wieder bekomme ich unterwegs Tipps, wo es gute Plätze zum Übernachten gibt, unter anderem auf der Munali Coffee Farm bei Willem Lublinkof, er hat eine der grössten Kaffeefarmen in Sambia (1 Mio. Kaffeebäume) und ist selber begeisterter Velofahrer, er ist Holländer und farmt seit dreissig Jahren in Sambia. Das Willkommen ist sehr herzlich und er will mich gar nicht mehr weiterreisen lassen. Er zeigt mir einen Tag lang die komplette Farm und erklärt mir ausführlich wie der Kaffee entsteht. Natürlich alles bei unendlich viel Kaffee mit "Schümli" aus einer Schweizer Kaffeemaschine - ein Genuss (Infos unter www.munalicoffee.com ). Ich rolle auf guten Strassen in Richtung Livingstone, wo ich mir die Victoria-Fälle anschauen werde. Der Verkehr ist sehr angenehm und relativ wenig Trucks und Autos sind unterwegs und ich werde nicht permanent von der Strasse gehupt, wenn mich jemand überholen will.

Ich bin jetzt gute 10'000 Kilometer und 232 Tage unterwegs und weiss gar nicht, wo die Zeit geblieben ist. Es macht immer noch Spass und die täglichen Erlebnisse (Beispiel siehe Immigration weiter oben) sind das Salz in der Suppe...

Bild Sambia"The smoke that thunders." In Livingstone schaue ich mir die gigantischen Victoria-Fälle an, ein Naturschauspiel besonderer Güte. Nach der Regenzeit hat der Sambezi Fluss so viel Wasser, dass man die Gischt schon aus Kilometer weiter Entfernung sieht und das Donnern hört. Über eine Länge von 1.7 Kilometer und einer Höhe von 108 Meter stürzt der Fluss eine Schlucht hinunter. Direkt daneben fährt (...oder fuhr...) die Eisenbahn über eine Brücke, die von Kairo bis Kapstadt fährt (...oder fuhr oder fahren sollte...). An dieser Brücke getraue ich mich dann den zweithöchsten Bungi Jump der Welt (110 Meter) zu machen. Ein Adrenalin-Stoss mit höchstem Genuss. Ich zittere schon ein wenig an der Absprungkante, aber dann geht alles doch recht schnell und ich baumle diverse Male noch rauf und runter, bis ich wieder oben auf der Brücke bin. "Let's do it again" (diesmal mit offenen Augen).

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Es geht jetzt weiter nach Botswana in den Chope Park und dann über den Caprivi Zipfel entlang dem Okawango-Delta nach Windhoek in Namibia.

Links zum Übernachten:
Gwembe Safaris:  www.gwembesafaris.com
Mooring Campsite: www.mooringscampsite.com
Fawlty Towers: www.adventure-africa.com

Route

Die Karte unten zeigt den gefahrenen Weg. Weitere Informationen zur gefahrenen Strecke sind bei auch bei denaltTourdaten zu finden.

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