Tansania

Geschafft, der Grenzübertritt verlief problemlos, keine Menschenschlangen, ich bin der erste Mazungu seit Monaten, der hier einreist. Hinter der Grenze übernachte ich in Manyovu und warte erst einmal den Regen ab. Die Leute hier sprechen kaum Englisch und ich kein Suaheli, irgendwie finde ich trotzdem etwas zu Essen und eine kleine Unterkunft für zwei US Dollar (Zimmer ohne Fenster, ein Bett, laute Musik, das war's). Auch hier geht das unangenehme Anstarren weiter. Die Fahrt nach Kigoma wird zum echten Abenteuer, Regen und die Lehmstrassen und dann bergauf, bergab, aber noch immer in einer traumhaft schönen Landschaft. Hier wird neben Bananen auch viel Kaffee angebaut.Bild Tansania

Es sind nur 80 Kilometer bis Kigoma und ich bin froh dort heil anzukommen. Unterwegs in den Dörfern und auf der Strasse heisst es zwar überall immer wieder "Mazungu mazungu", aber es gibt keine Bettlerei. Ich fahre am Gombe Stream Park vorbei, einer der wenigen Parks in Western Tansania, dort leben etwa 1500 Schimpansen. Kigoma liegt direkt am Lake Tanganiyka und hat noch einen sehenswerten Bahnhof aus der deutschen Kolonialzeit (um 1900). Kigoma ist eine Flüchtlingsstadt (Kongo, Burundi) und die UNHCR hat hier ihren Sitz und sorgt für Sicherheit. Auch hier gibt es so gut wie keine Touristen, immerhin ein paar "Guesthouses" und "Restaurants" (in Tansania Hoteli genannt).

Bild Tansania

Die MV Liemba ist im Hafen angekommen und fährt in zwei Tagen nach Sambia. Die Liemba ist ein von den Deutschen in ihrer Kolonialzeit in Deutschland gebautes und hergebrachtes Schiff (keine Ahnung wie die das geschafft haben) und verkehrt auf dem Tanganiyka Lake seit über 100 Jahren, es ist angeblich das älteste noch fahrtüchtige Schiff auf der Welt. In ihrer Karriere ist sie auch schon zweimal untergegangen, wurde wieder geborgen und erneut in Betrieb gesetzt. Ich schlafe sicherheitshalber auf dem Deck, schau'n mer mal? Die Fahrzeit nach Mpulungu in Sambia beträgt etwa 40 Stunden, ich erspare mir aber ca. 550 Kilometer entlang dem See nach Süden, die Strassen sind dort "dirtroads" und jetzt in der Regenzeit teilweise unpassierbar. Die Tansanier sind sehr freundliche Leute und haben eine sehr angenehme zurückhaltende Art. Überall heisst es "Karibu karibu" (Willkommen). Bevor man etwas einkauft, nach dem Weg fragt, begrüsst man sich erstmal lange und ausführlich. Sehr angenehm und die Zeremonie kommt mir auch entgegen... Vorzüglich ist hier der frisch gegrillte Fisch mit Chips. Wegen den Stromproblemen gibt es kaum Schokolade und kalte Getränke (Bier) und das Internet ist so langsam, dass immer wieder die Verbindung abbricht.

Bild TansaniaDie Fahrt auf der Liemba dauert vierzig Stunden und wir haben Glück und die See ist ruhig. Im Westen sieht man die demokratische Republik Congo (DRC) und auf der östlichen Seite ist Tansania. Wir fahren nahe am Ufer entlang und stoppen alle paar Stunden, um Fracht und Personen, die an der Küste leben, zu versorgen. Da die Dörfer keine Anlegestellen haben, kommen immer kleine Holzboote (dugouts) voll mit Fracht (mit Hühnern, Ziegen etc.) und Personen zur Liemba gerudert, um umzuschichten. Wie das Be- und Entladen vor sich geht, ist jedes Mal ein spezielles Schauspiel, ab und zu fällt auch was ins Wasser. Am Schönsten ist das Schauspiel nachts, wenn die Boote mit ihren Petroleumlichtern über die Wellen tanzend auf die Liemba zukommen.

Auf Deck passiert mir dann das, was der Alptraum eines jeden Travellers ist. Ich mache auf Deck in der Nachmittagssonne ein Nickerchen und mir wird meine Lenkertasche samt Inhalt geklaut - Geld, Pass, Kamera, GPS und so weiter. Der Schreck ist gross und ich male mir schon die Konsequenzen aus. Aber auf dem Schiff kann der Dieb ja nicht weit kommen, denke ich. Leider stoppt die Liemba gerade, um neue Fracht und neue Personen aufzunehmen, und ich vermute der Dieb wird sich auf einem der vielen Boote davonschleichen.

Ich informiere umgehend den Kapitän und er schickt die komplette Mannschaft zum Suchen und belegt die Ein- und Ausstiegsstellen, wo Boote anlegen. Schon zwei Minuten später kommen drei Crew-Mitglieder zurück, sie zerren einen etwa 17-jährigen Burschen an Haaren und Füssen die Treppe zur Brücke hinauf und schlagen und treten ihn, dass einem schlecht wird. Der Bursche hat das Geld und die Tasche bei sich, immerhin etwas denke ich, aber der Pass und der Rest fehlt. Sie schlagen und treten ihn weiterhin, solange bis er sagt, wo der Rest ist. Er hatte sich auf dem WC versteckt und die Sachen aussortiert, die er brauchen kann, den Rest hat er ins WC geworfen. Gut, dass das WC keine Spülung hat, es findet sich alles in einem sehr nassen und dreckigen Zustand wieder, aber ich habe alles zurück.

Die Mannschaft tritt und schlägt den Jungen weiter bis ich sage, es sei genug. Die nassen Sachen nimmt der Maschinist in den Maschinenraum zum Trocknen und ich trinke auf den Schock erstmal erleichtert ein kaltes Bier. Der Kapitän erzählt mir, wenn das auf Land passiert wäre, hätte man einen Autoreifen über den Jungen gestülpt, ihn mit Benzin übergossen und angezündet. So nehmen sie ihn mit zurück nach Kigoma zur Polizei. Der Bursche wird mit Handschellen an den Machinenraum gekettet und muss jetzt dort drei Tage bleiben.

Nach vierzig Stunden kommen wir in Mpulungu Sambia an und ich freue mich auf die bevorstehenden Flachetappen.

Tansania ist das grösste Land Afrikas, ich habe aber nur 80 Kilometer und ein paar Tage hier verbracht, eigentlich schade.

Route

Die Karte unten zeigt den gefahrenen Weg. Weitere Informationen zur gefahrenen Strecke sind bei auch bei denaltTourdaten zu finden.

altKarte in voller Grösse in eigenem Fenster anzeigen, auf Karte klicken.

tanzania new web